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WAYES-Jahresausblick 2026
WAYES-Jahresausblick 2026

Große Unzufriedenheit über Politik, Wirtschaft, Bürokratie und Ungerechtigkeiten. Der Ton in der Gesellschaft und allgemein in unserem Land ist rauer geworden. Bei unserem letzten Jahresausblick hatte Deutschland noch keinen neuen Kanzler gewählt und Donald Trump bereitete sich auf die Rückkehr in das Weiße Haus vor. Deutschland steckte auch zu diesem Zeitpunkt schon in einer langen Wirtschaftskrise. Das Blutvergießen in der Ukraine war nicht gestoppt. Zum Positiven hat sich im Vergleich zu unserem letzten Ausblick seitdem nichts geändert. Es fühlt sich fast wie ein Déjà-vu an und ist durch die neue US-Politik eher sogar noch schwieriger geworden. Nach mehreren aufeinanderfolgenden Krisenjahren liegt ein weiteres Übergangsjahr hinter uns. 2026 dürfte weniger von akuten Schocks, dafür stärker von strukturellen Weichenstellungen geprägt sein – politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.

Unsere Thesen:

  • Geopolitische Fragmentierung bleibt der neue Normalzustand: Die Weltordnung stabilisiert sich nicht, sondern ordnet sich neu. Das Recht des Stärkeren, Blockbildung, strategische Partnerschaften und regionale Machtzentren prägen Handel, Technologie und Sicherheitspolitik.
  • Europa rückt enger zusammen – aus Notwendigkeit: Sicherheits-, Industrie- und Finanzpolitik werden stärker europäisch gedacht, weil nationale Alleingänge an ihre Grenzen stoßen.
  • KI muss sich bewähren: Nach dem Hype der letzten Jahre wird es nun Zeit für die KI den endgültigen Durchbruch zu schaffen.

Die schweren Jahre liegen nicht komplett hinter uns. 2026 könnte das Jahr sein, in dem sich entscheidet, ob aus Krisen tatsächlich Fortschritt entsteht.

Wirtschaft International

„Moderate Normalität“ wird schon jetzt als Jahresziel 2026 ausgegeben. Was leicht positiv klingt, ist allerdings keine echte Entwarnung. Nach den kräftigen Ausschlägen der frühen 2020er ist das Wachstum zwar wieder berechenbarer geworden, doch es bleibt eines unter Potenzial. Der IWF rechnet für 2026 mit rund 3,1% globalem Wachstum, getragen von einer robusteren Dynamik in Teilen Asiens und einigen Schwellenländern. Viele Industrieländer sind strukturell ausgebremst. Die Weltbank zeichnet ein vorsichtigeres Bild: Dort wird für 2026–27 nur eine leichte Belebung auf rund 2,5% erwartet – die Anpassung an höhere Zölle und eine fragmentiertere Weltwirtschaft bremsen weiterhin Handel und Investitionen. In dieser Spanne zeigt sich: 2026 wird kein Krisenjahr wie 2020 oder 2022, aber auch kein Boomjahr. Eher ein Jahr, in dem die Weltwirtschaft „weiterläuft“ – und dabei sichtbar macht, wie stark sie inzwischen von geopolitischen und technologischen Schocks abhängig geworden ist.

Der weltwirtschaftliche Motor wird weiterhin außerhalb Europas laufen. Länder wie Indien und Teile Südostasiens profitieren von Demografie, Urbanisierung und Investitionsströmen. Während Europa und Japan mit alternden Gesellschaften, Fachkräftemangel und einem schwachen Produktivitätswachstum kämpfen, gewinnen diese Regionen an Gewicht und ziehen Kapital an. Das verschiebt nicht nur Wachstumsschwerpunkte, sondern auch Macht. Die Weltordnung bewegt sich weiter von einer klar USA-zentrierten Struktur hin zu einem multipolaren System, in dem wirtschaftliche Stärke zunehmend über Standards, Lieferketten und Technologiehoheit definiert wird. Gerade dieser Wettbewerb um technologische Dominanz – bei Halbleitern, KI und Infrastruktur – dürfte 2026 stärker als klassische Konjunkturpolitik die Weichen stellen.

Besonders relevant bleibt dabei die Handelspolitik. Höhere Zölle, „Friendshoring“ und der Versuch, kritische Lieferketten zu entflechten, verändern die Architektur des Welthandels. Für exportorientierte Länder ist das ein Risiko: Anpassung kostet Zeit und Handelshemmnisse wirken wie permanenter Sand im Getriebe. Die Weltbank betont explizit, dass die globalen Handelsströme 2026 zwar weiterlaufen, aber unter dem Druck höherer Zölle und politischer Unsicherheit weniger wachstumsfördernd sind. Damit bleibt der Welthandel anfälliger. Nicht nur für Blockaden wie einst am Suezkanal, sondern auch für „unsichtbare“ Schocks – etwa durch Cybervorfälle, Software-Fehler oder digitale Störungen, die ganze Prozessketten lahmlegen können. Die Lehre der letzten Jahre lautet: Je effizienter und stärker vernetzt Systeme werden, desto größer ist die Störanfälligkeit an einzelnen neuralgischen Punkten.

Als Erfolg kann – nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen – das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den vier Mercosur-Staaten (Paraguay, Brasilien, Argentinien und Uruguay) bezeichnet werden. Europas Ausfuhren könnten so bis 2040 um ca. 50 Mrd. € ansteigen. Es entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt. Die beteiligten Staaten kommen auf rund 700 Mio. Einwohner und ein Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung.

In den USA wird 2026 zu einem Jahr der Gratwanderung. Einerseits bleibt die amerikanische Wirtschaft im internationalen Vergleich dynamisch, auch weil sie von einem hohen Innovationsniveau und einem tiefen Kapitalmarkt profitiert. Andererseits können protektionistische Tendenzen, fiskalische Spannungen und ein hoher Schuldendienst mittelfristig die Stabilität belasten. Eine Phase, in der die USA zugleich Wachstum sichern, Inflation begrenzen und geopolitisch führen wollen, erhöht das Risiko widersprüchlicher Entscheidungen. Wenn Washington stärker auf kurzfristige industriepolitische Vorteile setzt, verschärft sich der Druck auf Handelspartner – und das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit regionaler Gegenmaßnahmen. Damit würde die Weltwirtschaft weniger durch klassische Nachfragezyklen gesteuert als durch politische Entscheidungen und Reaktionsketten. Ebenso steht die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) vor Herausforderungen: Dieses Jahr wird entscheidend für die Unabhängigkeit der wichtigsten Zentralbank der Welt. Im Mai kann Donald Trump den Fed-Chef Jerome Powell durch einen Nachfolger ersetzen, der die Zinsen stärker nach unten bewegt als es die Fundamentaldaten erlauben. Auch innerhalb der USA hat die Zollpolitik von Trump Folgen. Seit Februar 2025 mussten Familien rund 1.200 Dollar zusätzlich ausgeben. Bleibt die Zollpolitik unverändert bestehen, so werden es im aktuellen Jahr 2.100 Dollar sein. Nur noch etwa 33% der Amerikaner sind zufrieden mit Trumps Wirtschaftspolitik. Aktuell gibt es keine Anzeichen, dass der US-Präsident die Zollpolitik grundlegend ändert. Rund 235 Mrd. Dollar haben die USA mit den Zöllen bereits generiert.

Darüber hinaus hat der 3. Januar 2026 einiges verändert. Dass die US-Luftwaffe die venezolanische Flugabwehr ausgeschaltet hat und Spezialkräfte Maduro mit Hubschraubern entführt haben, war eine militärische Machtdemonstration der USA. Die USA haben ihre neue Sicherheitsstrategie scharf geschaltet, was auch das von Trump angekündigte Militärbudget, das sich von derzeit ungefähr 1 Billion US-Dollar auf 1,5 Billionen US-Dollar erhöhen soll, zeigt. Ab sofort regiert das Gesetz der Stärke. Was kommt nun auf Europa und China zu? Was passiert mit Grönland und den anderen Ländern in Südamerika? Die nationale Sicherheitsstrategie ist nun Realität. US-America first – von Grönland über Kanada und die Karibik bis Lateinamerika. Die staatliche Souveränität anderer gilt wenig im Vergleich zu überragenden Großmachtinteressen. Trump, Xi Jinping und Putin denken agonal, kämpferisch, national-egoistisch, in Einflusssphären und Pufferzonen, an Rohstoffzugriffe und Militärstützpunkte. Europa tickt da gänzlich anders.

China wiederum wird 2026 weiterhin mit dem Balanceakt zwischen Stabilisierung und Strukturwandel beschäftigt sein. Die inländische Nachfrage bleibt in vielen Szenarien der limitierende Faktor; zugleich ist das Land gezwungen, sein Wachstumsmodell vom kreditfinanzierten Immobilien- und Infrastrukturimpuls hin zu Innovation, Dienstleistungen und Konsum zu drehen. Der IWF sieht China zwar weiter als zentralen Baustein des globalen Wachstums, doch mit spürbar geringerer Dynamik als in den 2000er- und frühen 2010er-Jahren. Je nachdem, wie überzeugend China die Binnenwirtschaft stabilisiert, entscheidet sich auch, ob Rohstoffmärkte und asiatische Lieferketten 2026 Rückenwind oder Gegenwind erhalten.

Für Europa wird 2026 vor allem ein Jahr der inneren Konsolidierung – und damit ein Jahr der politischen Ökonomie. Die Eurozone leidet weniger unter akuten Krisen, sondern unter chronischer Schwäche: zersplitterte Kapitalmärkte, geringe Produktivitätszuwächse, hohe Regulierungskosten und demografischer Druck. Zugleich sind mehrere Staaten fiskalisch eingeschränkt. Wachstum entsteht daher weniger durch „Wumms“-Programme als durch gezielte Investitionsanreize und Reformen. Hoffnung gibt der Blick auf die Preisentwicklung: Die EZB erwartet, dass die Inflation 2026 im Euroraum unter 2% liegen dürfte, was Spielräume für niedrigere Zinsen und mehr Investitionsbereitschaft eröffnen kann. Doch selbst wenn die Inflation zurückkehrt, bleibt die Frage, ob Europa das Zeitfenster nutzt. Die globale Konkurrenz investiert massiv – in Infrastruktur, Energieversorgung, Rechenzentren, Verteidigung und Bildung. Wenn Europa nicht schneller wird, wird es nicht abstürzen – aber weiter an Bedeutung verlieren.

Zu den wirtschaftlichen Unsicherheiten kommen weiterhin die geopolitischen. Der Krieg in der Ukraine bleibt ein Faktor, nicht nur wegen Energie- und Rohstoffthemen, sondern weil er die Welt in Blöcke verschiebt. Auch andere Konflikträume – Naher Osten, Taiwanstraße – wirken wie Risikoprämien auf Investitionen und Transportkosten. 2026 wird damit erneut ein Jahr, in dem Unternehmen weniger nach dem günstigsten Standort entscheiden, sondern nach dem stabilsten. Diese Logik verändert Lieferketten; sie werden nicht zwingend kürzer, aber politischer und damit teurer.

Und schließlich steht über allem die digitale Dimension. Die Weltwirtschaft 2026 ist nicht nur globalisiert, sondern „plattformisiert“. Produktion, Logistik, Zahlungsverkehr, Verwaltung und sogar Energieversorgung hängen von Software, Cloudsystemen und Standards ab. Die Digitalisierung senkt Transaktionskosten und hebt die Effizienz, aber macht die Systeme auch verwundbarer. Schon einzelne Störungen können globale Kettenreaktionen auslösen. Deshalb wird Cybersicherheit zu einer wirtschaftspolitischen Standortfrage. Wer sichere digitale Infrastruktur garantiert, gewinnt Vertrauen und damit Investitionen.

Wirtschaft National

Nach Jahren der Stagnation wird 2026 für Deutschland ein Jahr der vorsichtigen Erholung – aber ohne echten Befreiungsschlag. Die große Frage ist nicht mehr, ob die Wirtschaft kurzfristig wieder anspringt, sondern ob Deutschland langfristig wieder in die Lage kommt, aus eigener Kraft zu wachsen. Internationale Prognosen erwarten für 2026 ein leicht positives Wachstum, das allerdings klar unter früheren Normalwerten bleibt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht Deutschland 2026 bei rund 1% realem Wachstum, was im internationalen Vergleich schwach ist und ein strukturelles Problem offenlegt: Deutschland ist nicht in einer akuten Rezession gefangen – es wächst schlicht zu wenig. Rund ein Drittel des möglichen Wachstums geht auf einen Kalendereffekt zurück: weil mehrere Feiertage auf ein Wochenende fallen, gibt es schlichtweg mehr Arbeitstage. Ein weiteres Drittel kommt durch die schuldenfinanzierten höheren Staatsausgaben zustande (im Wesentlichen durch Sondervermögen und den Rüstungsboom). Fast alle großen Forschungsinstitute haben ihre Prognosen vor Weihnachten nach unten revidiert. Das Ifo-Institut erwartet nur noch ein Wachstum von 0,8%. Die Wirtschaftsweisen gehen nicht von einem breit angelegten Aufschwung aus. Allenfalls das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist mit 1,3% noch optimistisch. Volkswirtschaftlich gesehen ruht das Wirtschaftswachstum auf drei Säulen: Konsum, Investitionen und dem Saldo der Ein- und Ausfuhren.

Ein wichtiger Hoffnungsträger bleibt die Annahme, dass sich 2026 die Inlandsnachfrage stabilisiert. Sinkende Inflationsraten und niedrigere Zinsen könnten die Kaufkraft der Haushalte weiter verbessern und den privaten Konsum stützen, insbesondere im Dienstleistungssektor. Dennoch wird der Konsum trotz einer moderaten Zunahme nicht der Wachstumstreiber sein. Neben einem geringen Lohnplus bildet sich eine weitere instabile Lage am Arbeitsmarkt durch den weiteren Jobabbau in den Unternehmen heraus. Diese Angst um den Job führt zu einer weiteren Konsumzurückhaltung und spiegelt sich in einer hohen Sparquote von ca. 10% wider.

Die Bundesbank geht davon aus, dass sich die Konjunktur allmählich erholt, warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen. Die strukturellen Bremsfaktoren – hohe Kosten, schwache Produktivitätszuwächse und eine geringe Investitionsdynamik – bleiben bestehen und begrenzen die Aufwärtsbewegung.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Industrie, die auch 2026 das zentrale Sorgenkind bleibt – und zugleich der Schlüssel für eine nachhaltige wirtschaftliche Stabilisierung ist. Einerseits steht sie weiterhin unter Transformationsdruck durch Dekarbonisierung, Digitalisierung und geopolitische Spannungen. Andererseits mehren sich erstmals vorsichtig positive Signale. Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter 49 Wirtschaftsverbänden zeigt, dass 19 Verbände für 2026 mit steigender Produktion oder höheren Umsätzen rechnen, weitere 18 zumindest mit einer Stabilisierung. Damit hellt sich die Stimmung deutlich auf, nachdem in den Vorjahren eine klare Mehrheit von einer Verschlechterung ausgegangen war. Gleichwohl ist diese Verbesserung relativ zu sehen: Das Ausgangsniveau ist niedrig – von einem breit getragenen industriellen Aufschwung kann keine Rede sein.

Bemerkenswert ist, dass sich der vorsichtige Optimismus auch in bislang besonders belasteten Branchen zeigt. Maschinenbau und Bauindustrie erwarten für 2026 wieder eine steigende Produktion. Die verbesserte Investitionstätigkeit dürfte dabei teilweise auf staatliche Maßnahmen wie den „Investitionsbooster“ und das umfangreiche Infrastrukturprogramm der Bundesregierung zurückzuführen sein, das 2026 stärker wirksam werden soll. Dennoch bleibt der Aufschwung fragmentiert. Nicht alle Branchen profitieren gleichermaßen, und internationale Handelskonflikte sowie hohe Energie- und Regulierungskosten wirken weiterhin belastend.

Ein zentrales Risiko liegt im Arbeitsmarkt. Zwar verhindert der demografische Wandel einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit, doch die Beschäftigungsentwicklung bleibt problematisch. Laut IW-Umfrage planen deutlich mehr Verbände einen Personalabbau als einen Beschäftigungsaufbau. Besonders betroffen sind industrieintensive Bereiche wie Metall-, Chemie-, Stahl- und Automobilindustrie. Der Stellenabbau ist dabei weniger konjunkturell als strukturell bedingt. Viele Unternehmen halten noch Beschäftigte aus Zeiten des Fachkräftemangels, die sie sich angesichts jahrelanger Stagnation zunehmend nicht mehr leisten können. Das ifo-Institut bestätigt diese Entwicklung und sieht weiterhin sehr zurückhaltende Neueinstellungen.

Gerade die Automobilindustrie verdeutlicht die Tiefe des Umbruchs. Überkapazitäten, Gewinneinbrüche, Handelsbarrieren und schwache Auslandsmärkte erzwingen einen konsequenten Sparkurs. Große Konzerne wie Volkswagen und Bosch haben umfangreiche Stellenstreichungen angekündigt, insbesondere an deutschen Standorten. Selbst bei einer konjunkturellen Erholung ist daher nicht mit einem schnellen Beschäftigungsaufbau zu rechnen – Produktivität und Kostendisziplin stehen im Vordergrund.

Der traditionelle deutsche Wachstumstreiber, der Export, ist auch nicht mehr die tragende Säule wie in früheren Jahren. Angesichts der Zollkonflikte und der geopolitischen Spannungen funktioniert der Export nicht mehr als Konjunkturmotor. Zum Teil können die geringen Exporte in die USA durch steigende Exporte in die EU kompensiert werden. Doch einen nennenswerten Beitrag zum Aufschwung wird der Export nicht leisten.

Investitionen bleiben der entscheidende Hebel. Staatliche Infrastrukturprogramme, sinkende Strompreise und ein angekündigter Bürokratieabbau könnten Impulse setzen und die Investitionsbereitschaft erhöhen. Insbesondere schnellere Genehmigungsverfahren und verlässlichere Rahmenbedingungen gelten als entscheidend, um Vertrauen zurückzugewinnen. Der Bedarf ist groß: In den vergangenen Jahren haben Unternehmen hunderttausende Stellen aufgebaut, um regulatorische Anforderungen zu bewältigen – ein erheblicher Effizienzverlust. Die Investitionen bei den Unternehmen werden jedoch nur zunehmen, wenn diese an den Standort glauben und hier positive Zukunftsaussichten sehen.

Insgesamt bleibt der wirtschaftliche Ausblick für Deutschland verhalten optimistisch, aber fragil. Eine langsame Erholung ist möglich, getragen von Investitionen und stabilerer Nachfrage. Ein echtes Comeback wird jedoch nicht durch ein Prozent Wachstum entschieden, sondern durch Vertrauen in Standortbedingungen, Energiepreise, politische Handlungsfähigkeit und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Kann Deutschland eine Trendwende einleiten oder verharrt es dauerhaft in einem Zustand niedriger Dynamik?

Politik national

Deutschland startet ins Jahr 2026 mit einer politischen Großwetterlage, die vor allem von Instabilitätserwartungen, Reformstau und sicherheitspolitischem Druck geprägt ist – und damit an die letzten Ampel-Jahre erinnert, nur unter neuen Vorzeichen. Und während sich die neue Legislatur eigentlich als Chance für Stabilisierung und Neuausrichtung verkaufen ließe, ist das Gegenteil wahrscheinlicher. Inzwischen glauben mehr als ein Drittel der Deutschen an einen vorzeitigen Bruch der Regierung. Etwa 71% der Deutschen sind mit der Arbeit der Regierung unzufrieden, ergab die letzte Insa-Erhebung. Das sind beachtliche Zahlen, nachdem die Koalition mit großen Ankündigungen gestartet ist. Die Koalition steht dabei nicht nur im Schatten der AfD, sondern vor allem unter dem Druck, ihre eigene politische Glaubwürdigkeit wieder herzustellen. Das gelingt kaum, solange öffentliche Streitigkeiten und Kursunsicherheiten dominieren. Nachdem 2025 ein schweres Jahr für die Regierung war, wird 2026 noch schwerer werden. Die Probleme im Inneren und Äußeren sind groß: Deutschland leidet unter einer tiefsitzenden Wachstumsschwäche, das Sozialsystem ist zu teuer, die Verwaltung ist nach wie vor zu träge und nicht digitalisiert. Der Welthandel zerbricht und die Aufrüstung kostet Milliarden. Und nach Pandemie und jahrelangem Krieg in der Ukraine ist die Zuversicht in der Bevölkerung immer geringer.

In Baden-Württemberg (8. März), Rheinland-Pfalz (22. März), Sachsen-Anhalt (6. September) sowie Berlin und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 20. September) wird 2026 gewählt. Damit steht Deutschland vor einem Wahljahr, das für die demokratische Stabilität und die Handlungsfähigkeit der Bundespolitik schnell existenziell werden kann. Denn in mindestens zwei dieser Länder droht ein Szenario, das noch vor wenigen Jahren als theoretisch galt: Ein AfD-Ministerpräsident. Bereits jetzt erwarten 53% der Bevölkerung, dass die AfD nach den Landtagswahlen 2026 mindestens einen Regierungschef stellen wird. Es geht nicht nur um Wahlergebnisse. Es geht vielmehr um die Möglichkeit einer dauerhaften Unregierbarkeit – oder um die schleichende Normalisierung von „Tolerierungsmodellen“, informellen Deals und Koalitionen zweiter Wahl. Diese Wahlen sind mehr als Regionalpolitik – sie sind ein Test, ob die demokratischen Parteien noch in der Lage sind, Mehrheiten zu organisieren, ohne sich gegenseitig zu blockieren.

Ökonomisch darf 2026 kein Jahr des Stillstands werden. Das Land kämpft weiterhin mit Investitionsstau, Bürokratie und nachlassender Wettbewerbsfähigkeit. Ein echtesReformpaket wird verlangt, gerade beim Blick auf die Infrastruktur (Verkehr, Energieinfrastruktur, Bildung und Dekarbonisierung). In Zahlen: Rund 600 Mrd. € innerhalb von zehn Jahren werden als zusätzlicher staatlicher Investitionsbedarf prognostiziert. Wie soll das alles bezahlt werden? Die Schuldenbremse ist längst nicht mehr nur ein juristisches Korsett, sondern eine politische Sollbruchstelle. Nach der Grundgesetzänderung bzw. Reformdebatte 2025 ist klar, dass es keine Rückkehr zum „Weiter so“ geben kann. Institutionen wie die Bundesbank liefern konkrete Reformmodelle – etwa Stufenmodelle, die Investitionen ermöglichen sollen, ohne die fiskalische Glaubwürdigkeit vollständig aufzugeben. Aber jede Reform der Schuldenbremse bleibt in Deutschland ein Kulturkampf, in dem sich finanzpolitische Orthodoxie und Modernisierungsdruck unversöhnlich gegenüberstehen.

Parallel dazu werden Sicherheit und Verteidigung immer wichtiger. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Bundesrepublik längst in eine neue geopolitische Realität gezwungen. Deutschland steht nicht nur vor der Herausforderung, Material und Strukturen der Bundeswehr aufzubauen, sondern vor allem Personal zu gewinnen. Der Bundeswehrverband verweist auf den politisch gewollten Aufwuchs auf 260.000 Soldatinnen und Soldaten, der ohne tiefgreifende Strukturentscheidungen kaum erreichbar ist. Auch das seit 1. Januar 2026 geltende Gesetz für den “Neuen Wehrdienst” wird daran nicht fundamental etwas ändern. Das Verteidigungsministerium steht finanziell unter Druck und verweist auf den NATO-Beschluss von 2025, die gesamten Verteidigungsausgaben perspektivisch auf fünf Prozent des BIP zu erhöhen. Eine Größenordnung, die innenpolitisch kaum konfliktfrei durchsetzbar ist.

Und doch liegt in der Krise – wie so oft – auch ein Chance: Deutschland könnte mit Investitionen in digitale Infrastruktur, Stromnetze, Bildung und Innovationsförderung nicht bloß wirtschaftspolitische „nice-to-have“-Projekte anstoßen, sondern zentrale Voraussetzungen schaffen, um das Land in eine neue Wachstumsphase zu führen. Wenn dann noch schnellere Planungsverfahren, entschlackte Verwaltung und wirksamere Förderprogramme beschlossen werden, könnte die Modernisierung Deutschlands 2026 zumindest starten.

Automotive

Wahrscheinlich DAS Thema der Branche: Das Aus vom Verbrenner-Aus. Ursprünglich sollten ab 2035 Neuwagen kein CO2 mehr ausstoßen dürfen. Jetzt die Aufweichung: Laut den Plänen sollen bis 2035 90% der CO2-Emissionen im Vergleich zu 2021 reduziert werden, statt wie ursprünglich 100%. Trotz der Abschwächung sind sich EU-Kommission und ein Großteil der Experten und Verantwortlichen in der Autoindustrie einig: Elektroautos sind die wichtigste Zukunftstechnologie. Und um die Zukunft muss sich vor allem die deutsche Autoindustrie sorgen. Strukturelle Schwächen, geopolitische Spannungen und technologische Umbrüche überlagern eine gute Prognose. Zwar deutet sich nach den schwachen Jahren eine leichte Stabilisierung an, doch von einer echten Erholung kann keine Rede sein. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet für 2026 mit rund 2,9 Millionen Pkw-Neuzulassungen in Deutschland – ein moderates Plus, aber weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Der deutsche Markt macht aber nur noch einen kleinen Teil aus. Die Märkte in Nordamerika und China bleiben nach wie vor die Wichtigsten. Fast täglich kamen in den letzten Monaten aus den automobilen Hotspots in Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen neue Hiobsbotschaften wie Stellenstreichungen, historische Gewinneinbrüche und Zuliefererinsolvenzen. Im 3. Quartal büßten BMW, Mercedes und VW durchschnittlich drei Viertel der operativen Gewinne im Vergleich zum Vorjahr ein. Bei den europäischen Autobauern sieht es ähnlich aus. Die Automobil-Konzerne in Japan, USA und China verzeichneten nur einen Bruchteil davon bei den Gewinnrückgängen. Die unterschiedlichen Entwicklungen resultieren aus unterschiedlichen Umweltvorgaben, Datenschutzregeln und Kundenwünschen in den Kernmärkten Europa, China und USA. China flutet alle Märkte mit einer beispiellosen E-Auto-Offensive, die USA verabschieden sich vom Klimaschutz und setzen wieder auf Verbrenner. Und Europa befindet sich zwischen beiden Welten und versinkt in der Krise.

Die Branche bleibt damit gefangen zwischen ambitionierten Transformationszielen und einer Nachfrage, die durch hohe Preise, wirtschaftliche Unsicherheit und zurückhaltende Konsumenten gebremst wird. Besonders sichtbar ist diese Spannung beim Elektroauto. Während in der öffentlichen Wahrnehmung häufig von einer „E-Auto-Flaute“ die Rede ist, zeigt der Blick auf Europa ein anderes Bild: Der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge wächst kontinuierlich und wird 2026 maßgeblich durch strengere CO₂-Flottengrenzwerte der EU getrieben. Auch sinkende Batteriepreise stützen diese Entwicklung. Für die deutschen Hersteller ist das weniger eine Überraschung als vielmehr eine Pflichtaufgabe. Sie müssen endlich Volumenmodelle im unteren und mittleren Preissegment liefern – dort, wo asiatische Wettbewerber längst präsent sind. Der Preisdruck steigt, die Frage der Bezahlbarkeit wird zum zentralen Risiko. Studien zeigen, dass Neuwagenpreise seit 2019 massiv gestiegen sind, während die Absatzvolumina insbesondere im Einstiegssegment zurückgehen.

Ein Risikofaktor liegt in der geopolitischen Abhängigkeit bei Halbleitern und seltenen Erden. Moderne Fahrzeuge sind rollende Computer: Elektroantrieb, Fahrerassistenzsysteme, Infotainment und vernetzte Dienste treiben den Chipbedarf pro Fahrzeug seit Jahren nach oben. Zwar hat die Branche aus der Chipkrise der Jahre 2020 bis 2022 gelernt und Lagerbestände sowie Lieferantenbeziehungen angepasst, doch strukturell bleibt Europa abhängig. Schlüsseltechnologien bei Logik- und Speicherchips werden weiterhin von wenigen Akteuren in den USA und Ostasien dominiert, während die Fertigung hochmoderner Halbleiter in hohem Maße auf Taiwan und Südkorea konzentriert ist. Politische Spannungen zwischen den USA und China verschärfen diese Lage zusätzlich. Exportkontrollen der USA auf Hochleistungschips und Fertigungstechnologien sowie chinesische Gegenmaßnahmen erhöhen die Unsicherheit entlang globaler Lieferketten. Für die deutsche Automobilindustrie bedeutet das: Schon regionale Konflikte oder weitere Sanktionsrunden könnten erneut zu Engpässen führen – mit unmittelbaren Auswirkungen auf Produktionspläne und Modellanläufe. Die milliardenschweren Investitionen in europäische Chipfabriken, etwa im Rahmen des EU Chips Act, sind strategisch wichtig, werden ihre Wirkung aber frühestens in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts entfalten.

Auch die EU hat China im Visier. Erst 2024 wurden Ausgleichszölle auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China verhängt, um Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Subventionen zu begegnen. Für 2026 ist offen, ob sich diese Maßnahmen verstetigen oder verschärfen. Klar ist jedoch: Der globale Wettbewerb wird rauer, und deutsche Hersteller können sich weder auf ihre Marke noch auf ihre industrielle Tradition verlassen. Besonders in China, lange Zeit Umsatzgarant für BMW, VW und Mercedes, verlieren sie rapide Marktanteile an heimische Anbieter. Prognosen zufolge könnten chinesische Marken bis 2030 rund drei Viertel des heimischen Marktes dominieren.

Auch die Zulieferindustrie steht unter erheblichem Druck. Die Transformation hin zur Elektromobilität und softwaregetriebenen Fahrzeugarchitekturen trifft viele mittelständische Unternehmen ins Mark. Restrukturierungen, Stellenabbau und Standortschließungen sind keine Einzelfälle mehr, sondern Ausdruck eines tiefgreifenden Strukturwandels. Lieferketten werden neu bewertet, Lokalisierung und Resilienz gewinnen an Bedeutung – nicht zuletzt mit Blick auf kritische Rohstoffe und geopolitische Risiken.

Aber Europa kann Auto und in der schwierigen Phase liegt auch eine Chance. BMW verdiente im letzten Jahr noch über 4.000 € je verkauftem Pkw und bei Mercedes waren es immerhin noch über 3.000 €. Die US-Konzerne Tesla, Ford und GM liegen ca. bei 50% und BYD (China) nur bei einem Drittel. D.h. die hiesige Automobilindustrie leidet im Wesentlichen unter der Profitabilität. Die schwache Nachfrage nach Premiummarken, US-Zölle, der wegbrechende Verbrennermarkt in China und die Wechselkurseffekte sind ursächlich für die Gewinneinbrüche. China ist mit Abstand der größte Automarkt und im Gegensatz zu den Märkten in Europa und USA auch noch nicht gesättigt. Da die Regierung den Markt auf Elektromobilität umgestellt hat, ist China beim Absatz von E-Autos uneinholbar enteilt. Die Zukunft vieler europäischer Automobilkonzerne wird sich also auch auf dem chinesischen Markt entscheiden, losgelöst davon, ob es nun in Europa Veränderungen beim Verbrenner-Aus gibt. Chinas Hersteller bringen bis 2027 über 250 neue E-Auto-Modelle auf den Markt. Die europäischen Konzerne planen ca. die Hälfte. Im Vergleich zu den USA ist Europa die zweite Elektrogroßmacht. Von den wichtigsten Erfindungen der Autobranche entfallen 30,8% auf Europa.

Immobilien & Bau

Kein Boom, aber eine vorsichtige Stabilisierung setzt ein. Im deutschen Immobilienmarkt zeigen sich nach den deutlichen Preiskorrekturen der Vorjahre insbesondere im Wohnimmobiliensegment erste Anzeichen einer nachhaltigen Erholung. Stabilere Finanzierungsbedingungen und ein insgesamt höheres Maß an Planungssicherheit führen dazu, dass die Nachfrage – vor allem im mittleren Preissegment – wieder anzieht. Gleichzeitig bleibt das Marktumfeld selektiv: Während energieeffiziente Objekte in guten Lagen an Attraktivität gewinnen, stehen Immobilien mit hohem Sanierungsbedarf oder ungünstiger Drittverwendungsfähigkeit weiter unter Druck. Der Immobilienpreisindex des Verbands der deutschen Pfandbriefbanken deutet bereits auf eine Stabilisierung der Preise hin, was für 2026 als wichtige Grundlage für steigende Transaktionsaktivitäten gelten kann. Vor allem Selbstnutzer suchen wieder Immobilien und haben zu einer Stabilisierung sowohl in den Großstädten als auch in den ländlicheren Regionen beigetragen. Dies resultiert jedoch nicht daraus, dass es wieder einfacher oder günstiger geworden ist – vielmehr sind es die stark angestiegenen Mieten, die einen Erwerb wieder attraktiver machen. Auch Finanzierer sind wieder optimistischer, nachdem das Finanzierungsvolumen 2025 deutlich höher ausfiel als noch 2024. Die Baugenehmigungszahlen ziehen ebenfalls wieder an, sodass leichter Optimismus berechtigt ist.

Deutlich angespannter bleibt hingegen der Markt für Gewerbeimmobilien. Insbesondere der Bürosektor steht weiterhin vor strukturellen Herausforderungen. Steigende Leerstände, veränderte Arbeitsmodelle und hohe Investitionsanforderungen im Zuge energetischer und funktionaler Modernisierungen belasten die Nachfrage. Banken und Aufsichtsbehörden weisen zudem auf erhöhte Risiken im Zusammenhang mit der Refinanzierung von Gewerbeimmobilien hin, was die Kreditvergabe selektiver macht und Investoren zu konservativeren Bewertungen zwingt. Logistik- und Light-Industrial-Immobilien zeigen sich dagegen robuster, profitieren aber ebenfalls nur dort, wo Standortqualität, Energieversorgung und langfristige Mietverträge überzeugen.

Regional bleibt der Markt stark differenziert. Wachstumsstarke Metropolregionen und wirtschaftlich stabile Ballungsräume dürften auch 2026 vergleichsweise resilient bleiben, während es periphere Lagen und strukturschwächere Regionen deutlich schwerer haben werden. Gleichzeitig verschärft sich der Wohnungsmangel in vielen Städten weiter, da der Neubau trotz zuletzt leicht steigender Genehmigungszahlen strukturell hinter dem Bedarf zurückbleibt. Damit gewinnt die Entwicklung und Nachverdichtung des Bestands zunehmend an Bedeutung.

Hinzu kommt der steigende regulatorische Druck im Bereich Energieeffizienz und Klimaschutz. Die nationale Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) bis spätestens Mai 2026 wird für viele Eigentümer einen erheblichen Investitionsbedarf auslösen. Immobilien, die die künftigen energetischen Mindeststandards nicht erfüllen, drohen an Wert zu verlieren oder sogar zu sogenannten „Stranded Assets“ zu werden.

Und wie sieht es in der Baubranche aus? Nach mehreren Jahren der Krise geht es mit gedämpften Erwartungen, aber vorsichtigem Optimismus in das Jahr 2026. Der starke Einbruch im Wohnungsneubau der vergangenen Jahre wirkt zwar nach, zugleich mehren sich jedoch Anzeichen für eine Bodenbildung. So ist die Zahl der Baugenehmigungen 2025 erstmals wieder gestiegen, was als Frühindikator für eine moderate Belebung ab Ende 2025 und im Laufe des Jahres 2026 gilt. Gleichwohl bleibt der zeitliche Verzug erheblich. Zwischen Genehmigung, Finanzierungsentscheidung und tatsächlicher Fertigstellung liegen häufig mehrere Jahre. Entsprechend wird der Wohnungsbau 2026 noch nicht zu alter Stärke zurückfinden, sondern sich eher schrittweise stabilisieren.

Ein zentraler Stabilitätsanker für die Branche bleibt der öffentliche Bau. Der Bundeshaushalt 2026 setzt erneut Investitionsschwerpunkte bei Verkehrsinfrastruktur, Digitalisierung und Wohnungsbau. Davon profitieren insbesondere der Tiefbau sowie große Infrastrukturprojekte wie der Ausbau von Schiene, Straße und digitalen Netzen. Auch sicherheits- und verteidigungsbezogene Bauvorhaben gewinnen an Bedeutung. Allerdings wird der Investitionsimpuls durch steigende Preise relativiert, sodass die reale Wachstumswirkung begrenzt bleibt. Hinzu kommt, dass die Kommunen – Träger von rund 60% der öffentlichen Bauinvestitionen – weiterhin unter angespannten Haushalten leiden. Der kommunale Investitionsstau, der laut KfW-Kommunalpanel bereits 186 Mrd. € erreicht hat, wirkt damit auch 2026 als strukturelle Bremse.

Parallel dazu steigen die Anforderungen an Transparenz und Nachhaltigkeit. Mit der schrittweisen Umsetzung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wird ESG-Reporting für viele Unternehmen verbindlicher und detaillierter. Für die Bauwirtschaft bedeutet dies, dass Energieverbräuche, CO₂-Emissionen, Materialherkünfte und Lieferketten zunehmend messbar und prüfbar sein müssen. Unternehmen, die diese Daten systematisch erfassen und in ihre Projekt- und Unternehmenssteuerung integrieren, verschaffen sich Wettbewerbsvorteile – sowohl bei Ausschreibungen als auch bei der Finanzierung.

Einzelhandel

Die vergangenen Jahre haben den deutschen Einzelhandel stark geprägt und strukturell verändert. Pandemie, unterbrochene globale Lieferketten, Engpässe bei Waren und Vorprodukten, hoher Inflationsdruck sowie dauerhaft gestiegene Kosten für Energie, Personal und Material haben die Branche belastet. Gleichzeitig sind die Erwartungen der Verbraucher an Preis, Verfügbarkeit, Service und digitale Angebote deutlich gestiegen. Der private Konsum in Deutschland entwickelt sich weiterhin schleppend, was sich unmittelbar auf den Handel auswirkt. Viele Haushalte agieren trotz leicht sinkender Inflationsraten weiterhin vorsichtig und ihre Sparneigung ist hoch. Insbesondere größere Anschaffungen werden aufgeschoben, was den Einzelhandel – vor allem im Non-Food-Bereich – belastet.

Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerbsdruck durch den Onlinehandel. Internationale E-Commerce-Plattformen wie Temu und Shein locken durch ultra-niedrige Preise, mit umfassender digitaler Werbung und riesigem Sortiment preisbewusste Kundengruppen an und unterbieten traditionelle Händler. Die Strategie dieser Plattformen beruht auf drastisch niedrigem Preisniveau, schnellen Produktzyklen und direkten Lieferketten, die traditionellen Händlern Kostenvorteile entziehen. Im Weihnachtsgeschäft 2025 schätzte der Handelsverband Deutschland (HDE), dass Temu und Shein zusammen in Deutschland Umsätze von bis zu einer Milliarde Euro erzielen könnten – Gelder, die vielen heimischen Einzelhändlern fehlen. Dies entzieht nicht nur Kaufkraft, sondern verschärft gleichzeitig das chronische Frequenz- und Umsatzproblem stationärer Anbieter. Die EU reagiert und will angesichts der Paketflut 2026 (ursprünglich erst 2028 geplant) Zölle auf Billigpakete erheben. Bisher waren die Sendungen bis zu einem Wert unter 150 € vom Zoll befreit.

Dies wird den Wandel, der aktuell in den Innenstädten zu beobachten ist, jedoch nicht aufhalten. Es kommen trotz zunehmender Rabattaktionen immer weniger Kunden in die Innenstädte. Diese müssen sich wieder zu einem Ort der Erlebnisse entwickeln, um Kunden anzulocken. Mit einem schnellen Wechsel von Geschäften in Form von Pop-up-Stores, Konzerten und Ausstellungen auf den Marktplätzen, Sportanlagen und Orten, die mit Handel auf den ersten Blick nichts zu tun haben, könnten Innenstädte wieder belebt werden. Es müssen Orte entstehen, an denen Menschen nicht nur kaufen, sondern tatsächlich leben.

Ein weiteres zentrales Thema bleibt der Fachkräftemangel. Prognosen des Instituts der deutschen Wirtschaft gehen davon aus, dass dem deutschen Einzelhandel bis 2027 rund 37.000 qualifizierte Fachkräfte fehlen werden. Bereits heute sind laut Handelsverband Deutschland (HDE) etwa 120.000 Stellen unbesetzt. Der HDE sieht die Politik in der Verantwortung, unter anderem durch eine attraktivere Gestaltung der dualen Ausbildung und eine schnellere Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt.

Neben konjunkturellen und personellen Herausforderungen rücken regulatorische und technologische Risiken stärker in den Fokus. Neue Nachhaltigkeits-, Lieferketten- und Verpackungsanforderungen erhöhen die Komplexität und den administrativen Aufwand für Handelsunternehmen. Parallel gewinnt der Einsatz von künstlicher Intelligenz an Bedeutung – etwa in der Nachfrageprognose, Preisgestaltung oder Kundenkommunikation. Dies bringt jedoch neue Anforderungen an Datenschutz, Transparenz und Governance mit sich.

Energie

Systemkorrektur statt Rekordjagd – für die Energiebranche steht Konkretisierung auf dem Plan.Nach Jahren ambitionierter Zielsetzungen rückt weniger der weitere Ausbau einzelner Technologien in den Mittelpunkt, sondern die Frage, wie das Energiesystem insgesamt stabil, bezahlbar und investierbar betrieben werden kann. Die Bundesregierung aus Union und SPD steht dabei vor der Aufgabe, energiepolitische Leitlinien in funktionierende Marktmechanismen zu übersetzen – insbesondere im Strommarkt.

Ein zentrales Thema sind neue steuerbare Kraftwerkskapazitäten. Der geplante Ausstieg aus Kohlekraftwerken erhöht den Bedarf an gesicherter Leistung, weshalb die Bundesregierung 2026 Ausschreibungen für rund zehn Gigawatt neuer, flexibler Kapazitäten plant, überwiegend Gaskraftwerke. Diese sollen vor allem in Dunkelflauten einspringen, was ihre Wirtschaftlichkeit ohne staatliche Absicherung infrage stellt. Damit rückt die Einführung eines Kapazitätsmarkts oder vergleichbarer Förderinstrumente weiter nach vorne.

Gleichzeitig wird der Ausbau der erneuerbaren Energien stärker an Markt- und Systemrealitäten angepasst. Ein Monitoringbericht der Bundesregierung zeigt, dass die Stromnachfrage langsamer wächst als bislang angenommen. Die Folge ist eine vorsichtigere Auslegung des Stromsystems, um Überinvestitionen in Netze und Infrastruktur zu vermeiden. Besonders sichtbar wird dieser Kurswechsel bei der Offshore-Windenergie: Abschattungseffekte, niedrige Strompreise und eine erstmals erfolglose Flächenauktion 2025 führen dazu, dass der Ausbau auf See 2026 gedrosselt wird. Die Branche fordert deshalb verstärkt „Contracts for Difference“, um Investitionen abzusichern – nicht nur für Offshore-Wind, sondern perspektivisch auch für Onshore-Wind und Photovoltaik.

Für Netzbetreiber ist diese Entwicklung entscheidend. Milliardeninvestitionen in Offshore-Anbindungen und Übertragungsnetze sind nur dann wirtschaftlich tragfähig, wenn klar ist, welche Projekte tatsächlich realisiert werden. Entsprechend wächst der Druck, Ausbaupfade, Marktdesign und Netzplanung besser zu synchronisieren.

Zusätzlich stehen strukturelle Veränderungen bei zentralen Unternehmen an. Der Bund plant den Einstieg beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet mit einer Sperrminorität, während er sich im Gegenzug schrittweise aus den Gasunternehmen Uniper und Sefe zurückziehen will. Damit verschiebt sich die staatliche Rolle weg vom Krisenmanager hin zum strategischen Infrastrukturpartner.

In Summe wird 2026 weniger durch neue Zielmarken geprägt sein als durch Entscheidungen über Marktdesign, Eigentumsstrukturen und Investitionsanreize. Für die Energiebranche ist es ein Schlüsseljahr: Ob Energiewende und Versorgungssicherheit dauerhaft miteinander vereinbar bleiben, entscheidet sich nicht mehr an Ausbauzahlen, sondern an der Fähigkeit, das System als Ganzes effizient zu steuern.

Chemie & Pharma

Zum Jahreswechsel 2025/26 blickt die Branche auf mehrere wirtschaftlich schwierige Jahre zurück. Schwache Nachfrage, hohe Energie- und Standortkosten sowie eine im internationalen Vergleich geringe Wettbewerbsfähigkeit haben dazu geführt, dass viele Produktionsanlagen nur unzureichend ausgelastet sind. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) beziffert die durchschnittliche Kapazitätsauslastung zuletzt auf rund 70% – ein Niveau, das kaum Spielraum für profitable Expansion lässt. Für das aktuelle Jahr droht der Chemiebranche ein Produktionsrückgang von 1%.

Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland ist weiterhin ein Sorgenkind: Besonders die Bürokratie steht dabei im Fokus, da sie nach Einschätzung vieler Unternehmen Innovations- und Transformationsprozesse verlangsamt. Hinzu kommt, dass 2026 ein Jahr der regulatorischen Umsetzung wird. Der europäische CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) tritt ab Januar 2026 in seine endgültige Phase ein und erhöht den Druck auf Unternehmen, belastbare Emissionsdaten entlang der Lieferkette vorzuhalten. Parallel dazu rückt die Regulierung von PFAS-Chemikalien näher: Die Europäische Chemikalienagentur will ihre wissenschaftliche Bewertung des Beschränkungsvorschlags bis Ende 2026 abschließen, was bereits im Vorfeld erhebliche Anpassungen in Produktportfolios und Kundenbeziehungen erforderlich macht. Zusätzlich tritt im August 2026 die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) in Kraft, die insbesondere Pharma- und Chemieunternehmen vor umfangreiche Umstellungen bei Verpackungen, Kennzeichnung und Recyclingfähigkeit stellt.

Ein anderes Bild zeichnet die deutsche Pharmaindustrie. Sie bleibt ein Stabilitätsanker und zeigt, was wichtig ist. Die Branche investiert (2025: 2,7%; 2026: 3,0%) gegen den Trend und hält Beschäftigung (2025: 0,2%; 2026: 1,1%) und Innovationskraft hoch. Allerdings verschärfen sich auch hier die Rahmenbedingungen. Die angespannte GKV-Finanzlage sorgt dafür, dass Preis- und Erstattungsregeln weiter straff bleiben – Marktzugang wird noch stärker zur Frage von Evidenz, Nutzenbewertung und Vertragsfähigkeit. Zugleich rückt Europa näher: Die EU-Pharmareform („Pharma Package“) zwingt Unternehmen, Exklusivitäts- und Launchstrategien neu zu justieren, während die Politik schnelleren Zugang zu Innovationen einfordert.

Die strikte Regulierung in Europa und der steigende Preisdruck aus den USA gefährden den schnellen Marktzugang neuer Medikamente und schwächen Europas strategische Bedeutung. Gleichzeitig erhöhen massive Patentausläufe ab 2028 den Handlungsdruck auf die Konzerne, da bis 2030 Medikamente mit einem Umsatz von rund 400 Milliarden Dollar ihren Schutz verlieren. Um drohende Umsatzlücken zu schließen, dürfte 2026 eine neue Übernahmewelle starten, mit Fokus auf Onkologie, Adipositas und Immunerkrankungen. Dabei rückt China zunehmend ins Zentrum: Als Quelle innovativer Wirkstoffe und wichtiger Dealpartner gewinnt das Land stark an Bedeutung und entwickelt sich vom Absatzmarkt zum globalen Innovationstreiber der Branche.

In Deutschland bleibt zusätzlich das Thema Versorgungssicherheit: Der Critical Medicines Act erhöht den Druck, Lieferketten resilienter aufzustellen und Abhängigkeiten zu reduzieren. Zusätzlich verändert sich das Versorgungssystem, weil die Apothekenzahl [Q3/2025: 16.732 (309 weniger als Jahresende 2024)] weiter sinkt – was digitale und alternative Versorgungsmodelle wichtiger macht. Wer Marktzugang, Resilienz und Versorgungsmodelle konsequent zusammendenkt, wird profitieren.

Rüstung

Krieg in der Ukraine, anhaltende Bedrohung an der NATO-Ostflanke, Konflikte im Nahen Osten, in Venezuela und im Indopazifik – die angespannte sicherheitspolitische Weltlage sorgt weiterhin für eine hohe Auslastung in der Rüstungsindustrie und eine über Jahre planbare und politisch breit legitimierte Nachfrage.

In Deutschland zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich in den Verteidigungsausgaben. Für das Jahr 2026 plant der Bund Ausgaben von rund 108 Mrd. € (82,7 Mrd. € aus dem regulären Verteidigungsetat und ca. 25,5 Mrd. € aus dem Sondervermögen) für die Bundeswehr. Ein erheblicher Teil dieser Mittel ist für Beschaffungsprojekte vorgesehen – etwa für Munition, gepanzerte Fahrzeuge, Luftverteidigungssysteme sowie digitale Führungs- und IT-Fähigkeiten.  

Neben den notwendigen Ersatzmaßnahmen zur Erneuerung des aktuellen Bestandes spielen Investitionen in die elektronische Kriegsführung sowie in Drohnen und deren Abwehr eine immer größere Rolle. Dies wird auch zu neuen Marktteilnehmern führen.

Besonders profitieren dürfte weiterhin Branchenriese Rheinmetall, der sich in den vergangenen Jahren zum größten deutschen Rüstungsunternehmen entwickelt hat. Der Konzern steht exemplarisch für den Boom der Branche: volle Auftragsbücher, steigende Umsätze und massive Investitionen in neue Produktionskapazitäten, insbesondere im Bereich der Munitionsfertigung. Gleichzeitig richtet das Unternehmen seinen strategischen Fokus zunehmend auf das reine Verteidigungsgeschäft aus und trennt sich von zivilen Aktivitäten. Volle Auftragsbücher heißt jedoch nicht unbedingt, dass die Auslieferung unmittelbar erfolgt, d.h. die Auslieferung wird teilweise erst in Richtung 2030 erfolgen.

Für die deutsche Rüstungsindustrie liegt der Fokus 2026 auf folgenden Bereichen:

  • Drohnen-/Luftabwehr sowie neue Effektoren
  • Munition & Produktionsausbau
  • Marine & Landfahrzeuge

Darüber hinaus wird das aktuelle Jahr entscheidend dafür sein, wie es in dem Projekt FCAS (Future Combat Air System) weitergeht. Ziel ist es, gemeinsam die nächste Generation für den Luftkampf zu entwickeln, den neuen Eurofighter und somit einen Nachfolger für die F35. Dabei sollte FCAS nicht nur ein Flugzeug sein, es ist vielmehr ein System, das Drohnenschwärme vernetzt und eingebettet in eine Combat Cloud den Luftkrieg neu organisiert. Die Entwicklungskosten werden auf 100 Mrd. € geschätzt und inkl. Beschaffung für die ersten Jahrzehnte resultiert daraus ein Umsatz von einer Billion Euro für die beteiligten Unternehmen. Aktuell sind die Unternehmen der einzelnen EU-Länder über die Kompetenzen zerstritten und es droht ein Scheitern des FCAS. Es zeigt, dass Europa noch weit entfernt ist von einer europäischen Verteidigungsindustrie und damit einer strategischen Souveränität Europas.

Der Aufrüstungsdruck beschränkt sich dabei längst nicht auf Deutschland. Nahezu alle NATO-Staaten erhöhen ihre Verteidigungsausgaben – vielfach mit dem Ziel, Abhängigkeiten von außereuropäischen Lieferanten zu reduzieren. Parallel stärkt die Europäische Union mit dem European Defence Industry Programme (EDIP) gezielt die europäische Rüstungsindustrie und gemeinsame Beschaffungsvorhaben. Das Programm sieht für den Zeitraum bis 2027 Fördermittel in Höhe von 1,5 Mrd. € vor und bevorzugt Unternehmen mit europäischen Lieferketten. Für deutsche Anbieter eröffnen sich dadurch zusätzliche Marktchancen, zugleich steigen aber die Anforderungen an Lokalisierung und industrielle Resilienz.

Trotz der insgesamt sehr positiven Perspektiven bleiben Risiken. Lieferkettenengpässe, Fachkräftemangel und die hohe Komplexität paralleler Großprojekte könnten die Umsetzung einzelner Vorhaben verzögern. Zudem wird die Finanzierung der stark steigenden Verteidigungs- und Infrastrukturinvestitionen zunehmend kritisch diskutiert. Die Bundesbank warnt vor wachsenden Haushaltsdefiziten, was mittelfristig zu politischen Zielkonflikten führen könnte.

Auch wenn der Trend klar positiv ist, so gibt es doch drei mögliche Bremsfaktoren in der Rüstungsindustrie:

  • Bürokratie & Vergabeprozesse: Obwohl die Mittel für die Verteidigung grundsätzlich bereitstehen, verzögern komplexe Bürokratie-, Vergabe- und Abnahmeprozesse den tatsächlichen Mittelabfluss an die Rüstungsunternehmen. Dadurch entstehen Umsätze oft erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung, sodass das Wachstum der Branche weniger gleichmäßig verläuft und stark von einzelnen großen Beschaffungsprojekten abhängt.
  • Kapazitäten & Lieferketten: Fachkräfte, Stahl, Elektronik, Sprengstoffvorprodukte, Zulassungen – hier entscheidet sich, wie schnell Wachstum realisiert werden kann.
  • Politische/gesellschaftliche Debatte: Die Akzeptanz ist gestiegen, aber die Exportpolitik, Rüstungskontrolle, Standortfragen und der ESG-Druck bleiben „Leitplanken“, die einzelne Projekte beeinflussen können.

Megatrend KI – das entscheidende Jahr

Nach dem Hype an der Börse in den letzten Jahren und nachdem künstliche Intelligenz in aller Munde war, kommt nun das Jahr der Wahrheit. Wird KI es endlich zum Durchbruch schaffen? Ausprobiert wird KI mehr oder weniger in vielen Unternehmen. Aber 2026 wird sich zeigen, ob KI den nächsten Schritt schafft und nicht nur ein großes Sprachmodell ist. Eine menschenähnliche KI wird sogar erst ab 2030 erwartet. Seit 2024 haben allein Meta, Amazon, Microsoft, Google und Tesla schätzungsweise 560 Mrd. Dollar in KI investiert. Dem gegenüber stehen jedoch nur ca. 35 Mrd. Dollar KI-Umsatz. Es ist somit weiterhin fraglich, ob die aktuellen KI-Modelle diejenigen sind, die den Weg zu menschenähnlicher KI weisen, oder ob hierfür noch einmal neu angesetzt werden muss. OpenAI, Google und Co. setzen auf große Sprachmodelle, also riesige neuronale Netzwerke, die auf einer Architektur von 2017 beruhen. Seitdem hat sich nicht der Aufbau der Modelle, sondern nur ihre Größe geändert. Die Sprachmodelle sind nach wie vor nicht zuverlässig, verstehen immer noch nicht die physische und psychologische Welt.

Die Sprachmodelle werden ein Baustein von vielen Modellen sein. Es wird viele spezialisierte Modelle geben, die sich auf bestimmte Datentypen wie Tabellen oder Proteine beziehen. Es bleibt abzuwarten, ob bereits die Videomodelle 2026 den Durchbruch schaffen werden. Die genutzte Luma-Technologie basiert dabei auf einem Reasoning-Modell, d.h. die KI denkt in Pixeln. Der nächste Schritt sind Modelle, die in jeder Modalität denken können, also Bild, Video, Text und Audio. Die Quellen für Sprachmodelle sind nahezu erschöpft. Aber für visuelle KI gibt es noch ungenutzte Quellen. Aus ihr lassen sich Verhaltensmuster von Mensch und Tier erkennen sowie physikalische Regeln, Bewegungsabläufe etc. – das, was Sprache nicht leisten kann. Problematisch ist, dass für das Training dieser nächsten Stufe an Modellen gigantische Server erforderlich sind.

Damit wird KI zunehmend zu einer Infrastrukturfrage – ähnlich wie Stromnetze oder das Internet. Wer die Rechenleistung, Datenquellen und Modelle kontrolliert, wird in Zukunft ganze Wertschöpfungsketten prägen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Effizienz. Neue Trainingsmethoden, bessere Hardware und alternative Ansätze werden notwendig, um die Kostenexplosion zu stoppen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, wie intelligent die Systeme werden, sondern wie skalierbar sie sind.

(Quellen für den Artikel sind im PDF-Dokument zu finden)

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